
Bayerisch-böhmische Krippenausstellung
„Bayern und Böhmen verbindet eine langjährige und intensive Krippenfreundschaft.“
Johann Dendorfer, Präsident des Weltkrippenverbands Universalis Foederatio Praesepistica
Passend zur Weihnachtszeit findet im Rahmen des Projekts „Kulturstadt Bayern-Böhmen“ eine umfangreiche Krippenausstellung mit Exponaten aus Bayern und Böhmen statt. Im Zentrum der Kulturstadt 2020-2021, Schwandorf, werden in den Räumlichkeiten der ehemaligen Gaststätte „Zur Post“ historische und thematische Krippen aus den sechs Nachbarregionen entlang der bayerisch-böhmischen Grenze gezeigt. Die Ausstellung zeigt somit nicht nur die Vielfalt der bayerischen und böhmischen Krippenkultur, sondern auch die zahlreichen Gemeinsamkeiten der bayerisch-böhmischen Krippenlandschaft auf. Interessierte Gäste können sich auf einen filmischen Krippenweg entlang der bayerisch-böhmischen Grenze begeben und insgesamt 27 Exponate aus den sechs Nachbarregionen bestaunen.
Oberfranken
Als Leihgabe des Fichtelgebirgsmuseums aus der Kulturstadt Bayern-Böhmen 2021, Wunsiedel, siedeln sich die beiden historischen Biedermeierkastenkrippen thematisch im Orientalischen an und bereichern die bayerisch-böhmische Krippenausstellung durch ihre exotische Szenerie.

Rokoko Kastenkrippe
Die aufwändige Rocaillen-Schnitzerei am Baldachin, die charakteristisch für die immer wieder auftretenden muschelartigen Ornamentmotive in der Rokoko-Stilrichtung steht, zieren den um 1750 aus Weichholz gebauten und mit Kreidebemalung versehenen Kasten. Die Kleidung, in die Silber- und Goldfäden eingearbeitet sind, besteht aus Samt und Brokat und die Krippe wurden mit geschnitzten Intarsien verziert.
Karlsbader Bezirk
Die Egerländer Krippenarbeit aus Königsberg an der Eger und die böhmische Kastenkrippe stammen aus den Museumsbeständen des Museums Eger/Cheb und überzeugen nicht nur durch ihre filigrane Ausarbeitung und Liebe zum Detail, sondern bestechen auch durch ihre Material- und Figurenvielfalt.

Kastenkrippe
Die aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Kastenkrippe stellt die Ankunft der Heiligen Drei Könige, der Weihnachtsliedersänger und der zahlreichen Lämmer am Geburtsort Jesu dar. Über dem Szenario ragt die Stadt mit ihren Häusern und Türmen, die unter sternenbesetztem Firmament liegt. Die aus Porzellan gegossenen polychromen Figuren, sowie die aus Naturmaterialien gefertigten Hintergründe/Dekoration befinden sich in einem Glasholzschrank mit Gewölbedecke.

Königsberger Krippenarbeit
Der dreistöckige Krippenberg befindet sich unter einer Glasabdeckung und kann von allen vier Seiten betrachtet werden. Die Figuren der Egerländer Weihnachtskrippe sind aus Lindenholz geschnitzt und eingebettet in eine Landschaft aus natürlichen Materialien wie Flechten, Moos, Sand und Granit. Die historische Komposition aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts – 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts steht auf einem ovalen Sockel, der von vier gedrechselten Füßen getragen wird.
Oberpfalz
Mit der „Hochzeit zu Kana“, einer beliebten Darstellung unter Krippenbauern, beginnt der bayerisch-böhmische Krippenweg in Schwandorf. Als Vertreter der Region Oberpfalz und Schwandorfer Lokalmatadoren stellen Christine und Raimund Pöllmann, die einen eigenen Krippenbaustil geprägt haben und seit Jahrzehnten sowohl national, als auch international ausstellen, zwei Exponate zur Verfügung. Als Gastgeberregion der Kulturstadt 2020-2021 endet der grenzüberschreitende Krippenweg mit einer Darstellung von Dr. Thomas Huber, geboren in Niederbayern und aufgewachsen in der Oberpfalz, aus Regensburg.

Weihnachten
Die beweglichen und bekleideten Figuren wurden von Raimund Pöllmann aus Ton, Linden- oder Zirbenholz, sowie Draht und Werg gefertigt. Die barock historisierende und vereinzelt orientalisch gestaltete Bekleidung entwirft und fertigt Christine Pöllmann. Die Kulissen werden in der für viele Regensburger Krippen typischen Kartonbauweise, die Anfang der 1960er Jahre von Raimund Pöllmann und Hans Buhl entwickelt wurde, angefertigt und bemalt. Dadurch kann mit nur wenigen Lichtquellen ein sehr starker Hell-Dunkel-Kontrast erreicht werden, der typisch für eine „Pöllmann-Krippe“ ist.

Hochzeit zu Kana
Die wechselhafte Geschichte der Kreuzbergkrippe wurde erstmals im Jahre 1740/1741 von der Pfarr- und Wallfahrtskirche des Kapuzinerordens in Schwandorf dokumentiert. Die im zweiten Weltkrieg stark beschädigten Figuren wurden von dem Krippenbauer und -schnitzer Raimund Pöllmann restauriert und von seiner Frau Christine mit möglichst authentischen und kulturgeschichtlich richtigen Kostümen bekleidet. Die ausgestellten Figuren der „Hochzeit zu Kana“, eine Leihgabe der Kreuzbergkirche in Schwandorf, gehören zum ältesten, noch vorhandenen Bestand der Krippe.

Hirtenverkündigung
Die von Dr. Thomas Huber (Regensburg) aus lufttrocknender Modelliermasse modellierten Aktfiguren zeigen die Verkündung der frohen Botschaft, dass der Retter der Welt geboren sei, des Engels an die Hirten. Die Hintergrundkulisse ist auf dünnes Sperrholz gemalt und stammt von Theodor Gämmerler (1889-1973), einem der größten Krippenbauer seiner Zeit und auch als „bayerische Krippenpapst“ bekannt.
Pilsner Bezirk
Unweit der Grenze zur Oberpfalz stellt das Chodenlandmuseum in Domažlice (Taus) regelmäßig Krippen aus der Region Pilsen aus und gewährt mit zahlreichen Exponaten einen Einblick in die traditionelle Kleidung, das Handwerk und die Kultur der Chodenregion. Frau Ivana Sieberová, Mitglied des Krippenvereins Pilsen, aus Klatovy/Klattau ergänzt die Krippensammlung mit ihren selbstkreierten Werken und Interpretationen der Weihnachtsgeschichte.

Weihnachtskrippe
Die aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts stammende Szenerie wurde von Alena Kulhánková in aufwendiger Detailarbeit nachgestellt. Die kostümierten Figuren sind in traditioneller Volkskleidung der Chodenregion gekleidet, daneben ist auch das traditionelle Musikinstrument der Region um Domažlice (Taus) zu sehen – der Dudelsack.

Weihnachtskrippe
Die Weihnachtskrippe von Antonia Nová wurde aus der in Tschechien häufig verwendeten Modelliermasse „Modurit“ hergestellt. Das Material wird mit heißer Luft oder kochendem Wasser ausgehärtet und kann anschließend bemalt werden. Bei dem Szenario handelt es sich um eine charakteristische Darstellung von Handwerk, Kleidung und traditioneller Kultur aus dem tschechischen Dorf im Allgemeinen.

Keramische Weihnachtskrippe
Krippenbauer Rudolf Volf betreibt bereits in 7. Generation die seit 1795 ununterbrochen in Koloveč bei Domažlice (Taus) ansässige Familienkeramikwerkstatt. Hierbei wird die traditionelle Volkskeramik mit historischen Verfahren aus dem 18. Jahrhundert hergestellt. Die handgefertigte Krippe (1995) zeichnet sich durch die typische rotbraune Scherbe und das traditionelle Dekor, das die Authentizität und das Volksmotiv der Krippe unterstreicht, aus.
Niederbayern
Die symbolträchtigen Szenarien von Theresa und Guido Scharrer, Vorsitzender der Straubinger Krippenfreunde und vielfacher Preisträger bayerischer und internationaler Auszeichnungen, laden die Betrachter zur Auseinandersetzung mit Krippendarstellungen fernab weihnachtlicher Szenen ein und lassen eine Vielzahl unterschiedlicher Interpretationsansätze zu.

Fünf Epiphanien als barockes Welttheater
Die von Symbolik, Mystik und Kontroversen geprägte Simultankrippe (mehrere Szenen) von Guido und Theresa Scharrer (2011/12) regt zur kritischen Auseinandersetzung an und weist mit ihrer barocken Sicht auf Grundprobleme der Menschheit hin. Die architektonischen Bauten, die zahlreiche Hinweise auf die Stadt Straubing enthalten, wurden aus Styrodur, Kork, Packpapier und Holz gefertigt, die handgefertigten Figuren aus Ton geformt und bekleidet.

Straubinger Krippe: Verbindung von Gäu und Wald
Das Zusammenspiel städtebaulicher Symbolik (Teilsilhouette und Aussicht auf das Spitaltor und den Stadtturm der Stadt Straubing, gotische Ruinenkapelle) und kulturhistorischer Motive (Trachtenfiguren aus dem Gäuboden und dem Bayerischen Wald) vereint Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Das Ehepaar Scharrer (2000) gestaltete die Figuren und Stadt-Silhouette Straubings, Richard Kohlhäufl (2005) die Kapellenruine und den Hintergrund.

Theaterkrippe
Das voll bespielbare Bühnenportal spiegelt die heidnische Welt mit dem Symbol des Sonnengottes und im christlichen Kontrast dazu das Jesuskind, als das neue Licht, wider. Das von Guido Scharrer (2007) frei nach Tradition um 1900 erbaute Werk besteht aus Ausschneidebogen nach Philipp Schumacher (1866-1940), Sperrholz mit bemalten Kanten und Farbkopien.
Südböhmischer Bezirk
Mit einer umfangreichen Sammlung von Werken regionaler Krippenbauer gewähren die Ausstellungsstücke des Museums der Region Jindřichův Hradec (Neuhaus) einen beeindruckenden Einblick in die Vielfalt der südböhmischen Krippenbaukunst. Ein Video der größten mechanischen Weihnachtskrippe der Welt, die vom Neuhauser Tomáš Krýza in mühevoller Handarbeit über 60 Jahre erbaut wurde, macht dieses einzigartige Artefakt in den Ausstellungsräumen der bayerisch-böhmischen Krippenausstellung in Schwandorf erlebbar.

Geschnitzte Holzkrippe
Der aus Hradec Králové (Königgrätz) stammende Holzschnitzer Vladimír Cejnar (1930-2016) konzentrierte sich auf das Schnitzen von Krippen, Reliefs und Porträts wichtiger historischer, musikalischer und literarischer Figuren. Die holzgeschnitzte polychrome Weihnachtskrippe der Heiligen Familie (2013) ist nur eines der über 1000 Werke, die er in Jahren angefertigt und in ganz Europa ausgestellt hat.

Geschnitzte Relief Krippe
Der Holzschnitzer und Krippenbauer Roman Galek aus Jindřichův Hradec (Neuhaus) hat sich die Arbeit mit verschiedenen Hölzern nicht nur zum Hobby, sondern auch zum Beruf gemacht. Neben härteren Hölzern, von denen er bevorzugt mit Walnussholz arbeitet, sind die oftmals mehrere Meter langen Exponate sein Markenzeichen. Das großformatige Werk (2012) stellt die Heilige Familie, die Heiligen Drei Könige, sowie die Hirten dar.

Holzkrippe
Der in Südböhmen bekannte Holzmodellbauer Jiří Drhovský aus Týn nad Vltavou (Moldauthein) widmet sich seit 1976 der professionellen Spielzeugherstellung. Seine frei zusammengestellte Weihnachtskrippe (1996) umfasst zehn gedrechselte polychrome Holzfiguren, die zwischen 4 – 12cm groß sind.

Keramische Weihnachtskrippe
Charakteristisch für die Werke von Alena und Martin Raboch (1993) aus Trhové Sviny (Schweinitz) südöstlich von České Budějovice (Budweis) sind die weiß-roten Keramikfiguren. Eine weitere Besonderheit liegt in der originellen Auffassung der 25 bemalten Keramikfiguren (ohne Glasur), die die Poetik der südböhmischen Tradition und Kultur widerspiegelt.

Weihnachtskrippe aus Maisblättern
Frau Jana Pulcová (1995) aus dem südböhmischen Hluboká nad Vltavou hat sich mittels zahlreicher handwerklicher und künstlerischer Techniken einen Namen als kreative Künstlerin gemacht. Mit unkonventionellen Materialien wie getrockneten Maisblättern fertigt sie fein gearbeitete Weihnachtskrippen an. Die 40 Figuren, die zwischen 3 bis 14cm groß sind, sind auf sandigem Boden festgeklebt und stellen die feierliche Prozession zur Geburt Jesu dar.
Danksagung
Wir bedanken uns bei unseren Partnerinnen und Partnern aus den sechs Nachbarregionen für die Zurverfügungstellung der Ausstellungsexponate und die gute Zusammenarbeit.
- Christine und Raimund Pöllmann aus Schwandorf
sadmarionetten.de - Sabine Zehentmeier-Lang aus Wunsiedel
www.fichtelgebirgsmuseum.de - Josef Nejdl aus Domažlice/Taus
www.muzeum-chodska.com - Alexandra Zvonařová aus Jindřichův Hradec/Neuhaus
www.mjh.cz - Guido und Theresa Scharrer aus Straubing
krippenfreunde-straubing.de - Ivana Sieberová aus Klatovy/Klattau
- Thomas Huber aus Regensburg
- Michal Beránek aus Cheb/Eger
www.muzeumcheb.cz




































































































