Geh aufs Land! Bildende Kunst und Volkskultur in den Böhmischen Ländern
Unter dem Begriff Volkskultur lässt sich eine Mischung von den vielfältigsten Ausdrucksformen vorstellen. Die Ausstellung betrachtet zunächst kritisch die Beziehung ideologischer und darstellender Muster der Volkskultur zur Bildenden Kunst in den Böhmischen Ländern vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Akzent wird auf die Kultur des ländlichen Volkes gelegt.
Seit der Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Volkskunst eine Projektionsleinwand, auf der Einzelne, Gruppen, Institutionen und der Staat ihre politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ideale projizierten. Massenversuche zur Belebung der Volkskultur kamen aus der Vorstellung heraus, dass die Gesellschaft des ländlichen Volkes und seine Kultur die Basis für eine neuzeitliche Nation und ihre kulturelle Identität ist.
Die Volkskunst diente gleichzeitig als eine direkte Quelle des Schaffens. Die Skala der darstellenden Zugänge und Manipulationen mit Elementen, die aus der Volkskunst und Kultur übernommen wurden, reichte von der Aufzeichnung der Kunstkultur der ländlichen Umgebung bis zur ihrer durchdachten Interpretation. Eine häufige Strategie war die Appropriation: die Aneignung von Formen der Volkskunst mit Hilfe von Zitaten oder ihrer Transformationen zu neuen Absichten und in einem neuen Kontext.
Die Ausstellung, die als dynamische Struktur einzelner Zugänge konzipiert ist, stellt Werke von bekannten und auch weniger bekannten Künstlern der betrachteten Zeit vor (Josef und Quido Mánes, Wenzel Berger, Jaroslav Čermák, Jaroslav Augusta, Joža Uprka, Josef Čapek, Zdeněk Rykr, Emil Filla, u.a.) und beinhaltet auch zeitgenössische Arbeiten von Anna Hulačová, Jan Vytiska, Lenka Klodová, u.w., die sich auf die Volkskultur berufen.

