Kirschgarten
Ihrem ebenso luxuriösen wie leichtsinnigen Lebensstil ist es zu verdanken, dass die adelige Gutsbesitzerin Ljubow Ranjewskaja die Kredite, die sie auf ihr Gut aufgenommen hat, nicht mehr zurückzahlen kann. Lopachin, Verwalter des Guts, rät ihr, Datschen zu errichten und einzeln zu verpachten. Dafür müsste allerdings der wunderschöne aber nutzlos gewordene Kirschgarten des Anwesens abgeholzt werden. Empört weist Ranjewskaja seinen Vorschlag zurück. Da allerdings auch sonst keine rettende Idee mehr auftaucht, kommt das Gut letztendlich unter den Hammer.
Während man auf das Ergebnis der Versteigerung wartet, feiert man ein Fest mit Delikatessen und gespielter Sorglosigkeit. Dann kommt die völlig unerwartete Nachricht, dass Lopachin das Gut selbst erwerben konnte. Die Adelsfamilie zieht aus und man hört die Axthiebe der Arbeiter, die mit dem Abholzen des Kirschgartens beginnen.
Anton Tschechow (1860-1904) setzte sich aktiv mit den Problemen der zeitgenössischen russischen Gesellschaft auseinander. Tschechow selbst beharrte auf der Genre-Bezeichnung „Komödie“ für dieses Werk. Und tatsächlich wird die morbide Gesellschaft in ihrem Untergang absurd, skurril und lächerlich gezeichnet.

