Vortrag zur Ausstellung “München- leuchtende Kunstmetropole”
Bayerische Inspirationen in der böhmischen und mährischen Malerei des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts
Die Ausstellung “München- leuchtende Kunstmetropole 1870- 1918”, welche in der Westböhmischen Galerie in Pilsen gezeigt wurde, war ein sehr erfolgreiches Projekt im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Pilsen 2015.
Zum Abschluss des Kulturhauptstadtjahres nehmen Roman Musil und Aleš Filip von der Westböhmischen Galerie in ihrem Vortrag noch einmal Bezug auf die Kunstmetropole München zwischen 1870 und 1918.
Der Vortrag knüpft an die Ausstellung und Publikation der Westböhmischen Galerie in Pilsen München – leuchtende Kunstmetropole 1870 – 1918 an, die von beiden Vortragenden vorbereitet wurden. Die Ausstellung fand in den ersten Monaten dieses Jahres im Rahmen des Projekts Pilsen – Kulturhauptstadt Europas 2015 statt. Die Vortragenden werden die in- und ausländischen Echos von dieser Ausstellung und ihrer begleitenden Publikation reflektieren. Der Vortrag wird dem deutsch-böhmischen Maler Gabriel von Max gewidmet sein, der seinerzeit ein Hauptvermittler der künstlerischen Kontakte zwischen Bayern und Böhmen war. Sein Todestag jährte sich am 24. November diesen Jahres bereits zum einhundertsten Male.
Das Beispiel von München hatte bereits in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts intensiven Einfluss auf die böhmische Malerei, als zwei Maler aus der bayerischen Metropole die Leitung der Prager Kunstakademie übernahmen, Christian Ruben und Maxmilian Haushofer. In den 60er-80er Jahren des 19. Jahrhunderts wuchs die Anziehungskraft der Kunstmetropole München kräftig an, in der dortigen Kunstakademie und verschiedenen Privatschulen trafen sich Studenten aus der ganzen Welt, vor allem aus Zentraleuropa. Zu den stärksten der ländlichen Kommunen gehörte die böhmisch-mährische mit Studenten und Künstlern der tschechischen, sowie der deutschen Muttersprache. In den 90er Jahren wurde nicht nur die Münchner Sezession ein anerkannter Begriff, sondern auch die mit ihr verbundene Künstlerkolonie in Dachau, die vor allem auf Landschaftsmalerei ausgerichtet wurde.
Der Vortrag charakterisiert bayerische Inspirationen in den Werken der Maler, die in München und anderen Orten (Augsburg, Dachau, Ammerland u.a.) Station gemacht haben. Viele der Künstler verbrachten einige wichtige Studienjahre in Bayern, andere blieben auch nach ihrem Studium dort. Zweifelsohne die größte gesellschaftliche Anerkennung fand von ihnen Gabriel von Max, welcher zum Professor der Königlichen Kunstakademie ernannt wurde und zum 60. Geburtstag im Jahre 1900 einen persönlichen Adelstitel erhielt.
Da in den letzten zehn Jahren eine intensive Erforschung des künstlerischen Austauschs zwischen der bayerischen Metropole und einzelnen Ländern Zentraleuropas stattgefunden hat, wird das Vortragsthema in einer vergleichenden Perspektive betrachtet. Die meiste Aufmerksamkeit wird konkreten Autoren und Werken gewidmet, ihren Erinnerungen an Bayern, zeitgenössischen Kritiken, Karikaturen usw. – mit dem Ziel, zumindest einen Abglanz des reichen kulturellen Geschehens und seiner Bedeutung in den gegenseitigen Beziehungen von Bayern und den Ländern der böhmischen Krone zu reflektieren.

