Am Rande der Menge – Die Kunst und die soziale Frage im 19. Jahrhundert
Ausstellungseröffnung am 20.02.2014 um 17.00 Uhr
Die harte physische Arbeit, die Armut und soziale Frustration, und das Leben außerhalb der “besseren Gesellschaft” waren kein besonders beliebtes Thema der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts. Dasselbe gilt auch für die tschechische Kunstszene, in der ähnliche Themen lange Zeit nur in gezeichneten Abbildungen der Realität auftauchten, die von Künstlern als Studien, Aussagen persönlichen Charakters oder in Form von Grafikabdrucken angefertigt wurden.
Die Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel “Am Rande der Menge” dokumentiert die Sichtweise und das Selbstverständnis der Künstler, von denen sich viele mit der Lage von Menschen, die an den Rand der großen Gesellschaft geraten waren, identifizierten. Die Berufsgruppe der Künstler verlor mit den aufklärerischen Reformen des späten 18. Jahrhunderts ihre bis dahin fixe ökonomische Stabilität und ihr gesellschaftliches Prestige. In der kommenden Zeit der Entwicklung der industriellen Gesellschaft und der raschen Modernisierung mit all ihren Widersprüchen und Gegensätzen mussten sie um ihre Anerkennung kämpfen.
Präsentiert werden knapp 70 bekanntere und weniger bekanntere Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Plakate und Plastiken, die in der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Unter ihnen befinden sich auch Werke berühmter Künstler wie Josef Mánes, Mikoláš Aleš, Josef Václav Myslbek, Alfons Mucha,Max Švabinský, Luděk Marold oder František Kupka. Die Ausstellung zeigt zunächst ein breites Panorama der großstädtischen Kultur und der industriellen Landschaft und erinnert an den damaligen Kult der menschlichen Arbeit und die Tradition der Sorge um Bedürftige. Anschließend wird veranschaulicht, wie die bildenden Künstler die bestehenden Verhältnisse polemisierend darstellten und wie sie die Vereinsamung des Einzelnen vor dem Hintergrund der anonymisierten Gesellschaft festhielten.
Die Begleitpublikation enthält eine Vielzahl von Reproduktionen, einschließlich einer Reihe von hier nicht ausgestellten Kunstwerken.

