Theaterfest Štít 2013 – Peter Shaffer: Amadeus
Das Stück Amadeus des englischen Dramatikers Peter Shaffer basiert zum Teil auf Fakten, ist aber keine Rekonstruktion der historischen Begebenheiten. Die Darstellung der historischen Tatsachen war nicht Shaffers Absicht. Peter Shaffer hat sich von der romantischen Legende inspirieren lassen, die noch zu Lebzeiten Antonio Salieris entstanden ist, dass nämlich der mittelmäßige Komponist Salieri, eifersüchtig auf das Werk Mozarts, den Komponisten vergiftet haben soll.
Shaffer aber folgt in Amadeus einem anderen Gedanken. In der Figur des Salieri sieht er die Essenz menschlicher Durchschnittlichkeit und zugleich Überdurchschnittlichkeit. Überdurchschnittlich ist beispielsweise sein Vermögen, die eigene Durchschnittlichkeit zu erfassen, überdurchschnittlich ist auch seine Durchdringung der Genialität der Musik Mozarts, überdurchschnittlich ist außerdem seine satanische Auflehnung gegen Gott in dem Moment, in dem er begreift, dass sein Streben nach dem Guten sinnlos ist.
Das Stück Amadeus ist eigentlich eine Studie des Bösen, das aus übertriebener Tugend erwächst. Die Wurzel dieses Bösen ist eine auf dem Mechanismus der belohnten Tugend gründende Moral. Und daher beginnen und enden alle Übereinstimmungen mit historischen Personen und Geschehnissen bei Mozarts Musik.

