Edler Diener – Ein Uschebti des Königs Psusennes
In der Reihe “Zu Gast in Weiden – Das besondere Objekt” in Zusammenarbeit mit dem Museum Ägyptischer Kunst München, zeigt das Internationale Keramik-Museum Weiden bis zum Sommer ein ungewöhnliches Werk der altägyptischen Kleinplastik: einen königlichen Uschebti aus Bronze, gewöhnlich meist aus farbigglasierter Keramik.
Uschebtis sind kleine, mumiengestaltige Figürchen, die dem Verstorbenen ins Grab mitgegeben wurden. Ursprünglich gehörte ein Uschebti zur Grabausstattung, das als Stellvertreter des Toten angesehen wurde. Ab dem Neuen Reich wurden die Uschebtis als Diener des Grabherrn verstanden, zu einem vollständigen Satz gehörten 365 Stück – für jeden Tag des Jahres ein Uschebti.
Die Bezeichnung leitet sich ab vom altägyptischen Wort uscheb = antworten, Uschebtis sind also die „Antworter“. Dies nimmt Bezug auf Kapitel 6 des ägyptischen Totenbuches, in dem die Funktion der Uschebtis angesprochen wurde und wo es sinngemäß heißt: „Wenn ich im Jenseits aufgerufen werde zur Arbeit, sollst du an meiner Stelle aufstehen und antworten: Hier bin ich!“ Dieser Text wurde den Uschebtis häufig auf den Leib geschrieben – oder, wie hier, Name (und Titel) des Grabherrn.
Die Uschebtis sollten also an Stelle des Toten Arbeiten im Jenseits verrichten. In einem von der Landwirtschaft geprägten Land wie Ägypten wurde diese Arbeit oft mit Feldarbeit gleichgesetzt, weshalb Uschebtis oft landwirtschaftliche Geräte in den Händen halten: verschiedene Hacken zum Lockern des Bodens und ein Säckchen mit Saatgut auf dem Rücken.
Die ältesten Uschebtis (belegt ab der Ersten Zwischenzeit, ca. 2100 v. Chr.) waren aus Wachs gefertigt. Die meisten Uschebtis sind, aus Modeln geformt, aus Fayence oder Ton, es gibt Uschebtis aus Holz und den verschiedensten Gesteinen (Kalkstein, Granit, Basalt, Sandstein, Kalzit).
Königliche Uschebtis wie die des Tutanchamun können zusätzlich mit Goldblech verkleidet sein. Ganz außergewöhnlich sind Uschebtis aus Bronze, die nur aus der Dritten Zwischenzeit (ca.1080-800 v. Chr.) aus der königlichen Nekropole in der damaligen Hauptstadt Ägypten, Tanis im Ostdelta, belegt sind. Der französische Ägyptologe Pierre Montet entdeckte die ungestörten Kammergräber des Königsfriedhofs von Tanis 1939 – ein spektakulärer Fund, durchaus mit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun zu vergleichen, was jedoch wegen des 2. Weltkrieges niemals richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang. Diese Ausgrabung bildet die Grundlage für den ersten Film der Reihe Indiana Jones mit Harrison Ford „Jäger des verlorenen Schatzes“. Der Königsfriedhof von Tanis umfasst sechs Grabkomplexe, in denen Könige, Prinzen, Königinnen und hohe Beamte bestattet waren, die größte Anlage gehörte Psusennes I., der rund 50 Jahre regierte und die neue Hauptstadt im Ostdelta mit einer gewaltigen Tempelanlage erbauen ließ. Die Gräber waren mit Sarkophagen aus Gold und Silber, Gefäßen aus Edelmetall, Uschebtis und reichem Schmuck ausgestattet.


