Ausstellungen “Verlorene Heimat?!”
Mit drei parallelen Ausstellungen zum Thema “Verlorene Heimat?!” eröffnet das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) am Dienstag, 06.09.11 sein Herbstprogramm. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte und die Veränderung der Landschaft in der deutsch-tschechischen Grenzregion.
Ausstellungsdauer: bis 02.10.11
Das verschwundene Sudetenland
Wanderausstellung der Bürgerinitiative Antikomplex Prag
Mit zahlreichen Fotopaaren macht die Ausstellung die Veränderung der Landschaft in den ehemals von Sudetendeutschen bewohnten Regionen Tschechiens im 20. Jahrhundert deutlich.
Sie gibt Einblicke in die Problematik der verschwundenen Dörfer und über das Verhältnis der dort lebenden Menschen zur deutschen Kultur, über das Verschwinden von alten und den Aufbau von neuen Traditionen und über das gegenwärtig wachsende Interesse an der “fremden” und lange Zeit tabuisierten Vergangenheit.
Die Fotos, die vor und nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aufgenommen und teilweise erst in den letzten Jahren aktualisiert wurden, sollen zum Nachdenken und zu Diskussionen anregen. Sie machen deutlich, dass die Geschichte mit Bezug auf die Gegenwart betrachtet werden muss, um Lehren aus dem Geschehenen zu ziehen und den Annäherungsprozess weiter voranzutreiben. Antikomplex will mit den Fotos und den bewusst knapp gehaltenen Texten verdeutlichen, dass die Vertreibung der Deutschen ein großer Einschnitt in das Leben in den betroffenen Gebieten war, dessen Wunden noch immer nicht verheilt sind.
Die Ausstellung ist ein tschechischer Beitrag zur kritischen Aufarbeitung der Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945. Sie wurde zum ersten Mal im Jahr 2002 präsentiert. Seitdem wandert sie ununterbrochen durch Tschechien, Deutschland, Österreich und Polen. Zur Ausstellung wurde auch ein umfangreicher bebilderter Katalog herausgegeben.
Verschwundene Ortschaften im Böhmerwald (Český les) – Region Tachov / Tachau
Nach dem Erfolg des ersten Teils des Buches über den Tauser Teil des Böhmerwaldes stellen der Verlag Český les und der Autor Zdeněk Procházka nun nach 1945 untergegangene Dörfer der Region Tachov / Tachau vor. Diese befanden sich nicht nur im Grenzstreifen des Gebirgszuges des Český les, sondern auch in anderen Teilen des Vorgebirges. Die Ausstellung präsentiert die interessantesten Aspekte der Buchausgaben. Sie wurde erstmals im Juli und August 2011 im Museum des Český les in Tachov / Tachau gezeigt.
Verblieben in der Heimat – Deutsche in Tschechien erzählen ihre Geschichte
Dass 40.000 Deutsche – Verblieben – immer noch in der Tschechischen Republik leben, ist sowohl für Deutschland als auch in Tschechien weitgehend unbekannt. Die Journalistin Susanne Beckmann, die Wissenschaftlerin Sandra Kreisslová und der Fotograf Dirk Plamböck haben ihre Geschichten auf einer Interviewreise quer durch die Republik gesammelt. Ihre Begegnungen haben sie in einer Ausstellung festgehalten – Geschichten, die so in keinem Geschichtsbuch zu finden sind. Zehn Menschen mit deutschen Wurzeln, die nach dem Krieg weiter in der Tschechischen Republik lebten, geben Einblick in ihre persönliche Lebensgeschichte.
Sie stammen alle aus verschiedenen Regionen der Republik – aus Böhmen, Mähren und Schlesien – und sind zwischen 19 und 84 Jahre alt. 60 Jahre deutsch-tschechische Geschichte werden somit aus der Perspektive dreier Generationen erzählt. Es ist eine andere, fast vergessene Perspektive auf die tschechische Gesellschaft, die sich dem Besucher eröffnet. Jeder Befragte hat eine andere Beziehung zu seinem Heimatland Tschechien einerseits und zu seiner deutschen Herkunft andererseits. So sagt Martin aus Horní Město/Bergstadt: “Ich fühle eine sehr starke deutsche Nationalität. Aber ich würde niemals sagen, ich bin ein Deutscher. Dazu fehlen mir in dem Mosaik zu viele Steine.” Milan aus Bruntál/Freudenthal fühlt sich dagegen in Tschechien “fast wie ein Heimatloser. Ich habe den festen Boden unter den Füßen verloren”.








