‚Nester‘ im CeBB ..eine Reise nach Brazilien des 19. Jahrhunderts
Markéta Pilátová, Schriftstellerin, Journalistin und Autorin von Kinderbüchern, erzählte aus ihrem neuesten Roman über den deutsch-böhmischen “Hans” aus Reichenberg/Liberec, der nach Brasilien auswanderte. Sein Weg ist derjenige wie vieler Deutschsprachigen aus seiner Region, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in das südamerikanische Land aufmachten. Deren Nachfahren, die sich Bohemios nennen, sprechen bis heute neben Portugiesisch auch Deutsch.
Die Besucher nahmen in der Gewölbehalle des CeBB unter dem vom tschechischen Künstler Jakub Nepras geschaffenen Nest Platz. Sinniger konnte der Ort kaum sein, denn die Auswanderer von damals bauten sich im Urwald zum Schutz von Tieren zunächst Nester und Hütten in den Bäumen. Nach und nach rodeten sie das Land und errichteten ihre Häuser. Eindrucksvoll erzählte Marketa vom damaligen Leben in Südamerika. Sie selbst verbrachte zwölf Jahre in Argentinien und Brasilien. In diesen Ländern unterrichtete sie Kinder tschechischer Landsleute und arbeitete mit tschechischen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen zusammen. Während ihres Aufenthalts in Lateinamerika begann sie zu schreiben und debütierte mit dem Roman “Die gelben Augen führen nach Hause (Žluté oči vedou domů)”, in dem sie europäische und lateinamerikanische kulturelle Elemente verband.
Nach der interessanten Präsentation und dem Vortragen einiger Passagen aus dem Buch, konnten die Anwesenden Fragen stellen und auch ihr Wissen zum Besten geben. Dabei stellte sich heraus, dass unter den Gästen einige waren, deren Vorfahren sich ebenfalls aufmachten, um im fernen Amerika eine neue Existenz zu gründen. Nach dem offiziellen Teil blieb noch ausreichend Zeit zum gegenseitigen Austausch. Die Lesung wurde von dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond gefördert.


