Die Gedichte stehen zwischen den Zeilen
Im Centrum Bavaria Bohemia stellten der Autor Jürgen Huber mit der Verlegerin Gisela Bender und dem Kulturredakteur Stefan Voit das Buch "Die Gedichte stehen zwischen den Zeilen" vor.
Oft schlummern Nachlässe einfach nur so vor sich hin. Beim 2004 verstorbenen Rockmusiker, Maler und Autor Kevin Coyne war es ähnlich, wenn sich nicht Stefan Voit für die Weidener Literaturtage 2012 auf Spurensuche begeben hätte.
Aus der Spurensuche entwickelte sich einiges, aktuell das letzten Donnerstag im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee von Gisela Bender, Jürgen Huber und Stefan Voit bei einer Lesung vorgestellten Buchprojekt mit Gedichten, Texten, Zeichnungen vor Kevin Coyne und Jürgen Huber. Auch eine Ausstellung in der Kebbelvilla, dem Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg, das uns unter dem Titel „Kunstschatz“ in Nachlässe schauen lässt, Kevin Coyne ist dabei (Oberpfalzmedien berichtete darüber). Warum ist der 2004 verstorbene Engländer Kevin Coyne bei uns in der Oberpfalz heute Thema? Auf diese Frage gibt die Buchpräsentation „Die Gedichte stehen zwischen den Zeilen“ eine gute Antwort.
Stefan Voit nennt Kevin Coyne bei der Einführung zur Lesung, die parallel auch online im Netz läuft, einen heute, siebzehn Jahre nach seinem Tod in Nürnberg, immer noch faszinierenden Künstler. Ein kreatives Multitalent, der als einer der ersten im Plattenlabel Virgin musikalische Höhen, auch bei den Plattenverkaufszahlen, erklomm. In seinem schillernden Leben hatte er mehrfach die Chance zu Größerem, hätte er nur die richtige Weggabelung genommen. Die falschen Abzweigungen führten ihn mehrfach an die rauschhaften Abgründe von „sex, drugs and rock’n roll“. Seine in Nürnberg gefundene Frau hat den „Always on the road“-Musiker und „Exil-Franken“, wie ihn Stefan Voit im Buchvorwort apostrophiert, dem Strudel entrissen. Es folgten ein paar äußerst erfolgreiche Jahre in Deutschland bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2004 in Nürnberg. Dort fand er auf dem Johannisfriedhof im Kreis vieler bedeutenden Persönlichkeiten, wie Albrecht Dürer und Wilhelm Busch, seine letzte Ruhe.
Das gelungene Ausstellungsprojekt für die Weidener Literaturtage 2012 legte das Fundament für den bis heute anhaltenden, auf Vertrauen und Freundschaft basierenden Umgang von Stefan Voit mit dem Nachlass von Kevin Coyne. Das jetzt im Gisela-Verlag in Regensburg erschiene Taschenbuch ist wieder einer Freundschaft zu verdanken. Als sich Jürgen Huber nach dem Ende seiner kommunalpolitischen Ära in Regensburg – er war von 2014 bis 2020 Dritter Bürgermeister – in Schönsee ein Haus kaufte und seinen Lebensmittelpunkt nahe an die tschechische Grenze verlagerte, gibt es einige neugierige Besuche. Unter ihnen auch Stefan Voit. Beim Waldspaziergang entstand die Idee, unveröffentlichte Gedichte und Zeichnungen Kevin Coyne und Jürgen Huber in einem gemeinsamen Band zu veröffentlichen. Es macht der Verlegerin Gisela Bender sichtlich Vergnügen, ein paar der kurzen Gedichte von Jürgen Huber zu lesen. Dies immer zweimal hintereinander, denn „dann dringt der Sinn der Zeilen tiefer ein“. Stefan Voit nimmt sich Gedichte von Kevin Coyne vor, einige in Englisch, die meisten einfühlsam übersetzt. Jürgen Huber als dritter im Bund hat sechs DIN A 4 Seiten dabei, voll mit einem unveröffentlichten Text, der die Gäste mitnimmt auf eine Reise, in der sich die Theaterbühnen des Lebens wie zwei Parallelen in der Unendlichkeit treffen. „Danke“ sagte CeBB-Leiterin Veronika Hofinger am Schluss auch an das virtuelle Publikum, das nach den registrierten Aufrufen im Netz an diesem nebligen Abend weit in der Überzahl ist.
Die Buchvorstellung wurde gestreamt und ist unter bbkult.net/bb-literatur abrufbar.

