Erinnerung im Dialog. Wie entstehen die Zeitzeugenberichte?
Die Gesprächsrunde mit dem Thema Erinnerung im Dialog richtet den Blick nicht in erster Linie auf die einzelnen Geschichten, sondern auf deren Entstehungsprozess.
Wie entstehen Zeitzeugenberichte eigentlich? Welche Faktoren prägen das Gespräch zwischen Erzähler und Zuhörer? Und wie verwandelt sich individuelle Erfahrung in ein kollektives Narrativ?
In ihrem Buch Mai 1945 in der Tschechoslowakei sowie in der Textsammlung Böhmisches. Allzu Böhmisches? widmet sich Germanistin Dr. phil. Kateřina Kovačková Zeitzeugengesprächen mit Menschen, deren Leben durch das Ende des Zweiten Weltkriegs nachhaltig geprägt wurde. Im Zentrum stehen Erzählungen von Deutschen aus den böhmischen Ländern – häufig von jenen, die nach 1945 vertrieben wurden, aber auch von denen, die in der Tschechoslowakei blieben und komplexe Nachkriegsprozesse durchlebten.
Anhand konkreter Beispiele zeigt die Referentin, dass Erinnerung kein bloßes Abbild der Vergangenheit ist, sondern ein lebendiger, interpretierter und kulturell geprägter Prozess. Erzählen bedeutet nicht nur, „was gewesen ist“, sondern auch Auswahl, Strukturierung und Deutung – also das, was sagbar wird, was Sinn erhält und was unausgesprochen bleibt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Unterschieden zwischen individueller Erinnerung und kulturell sowie historisch geprägten Narrativen, wie sie sich im tschechischen und im sudetendeutschen Kontext herausgebildet haben. Gerade im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Deutung eröffnet sich ein Raum für Verstehen – und für Dialog.
Die Veranstaltung bietet damit einen vertieften Einblick in die Entstehung unseres Verständnisses von Vergangenheit – und in die Rolle, die Sprache, Kontext und der Akt des Erzählens dabei spielen.
Die Veranstaltung wird ins Tschechische gedolmetscht.
Eintritt frei. Bewirtung im Gastwirtshaus Gerstmeier möglich.
Karte: https://mapy.com/s/fefasujuno
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts Kultur ohne Grenzen – Begegnung Bayern Böhmen 2026 mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Landkreises Schwandorf statt.


