ARTVR | Geometrie der Aufmerksamkeit
Die Galerie 4 lädt zur Ausstellung Geometrie der Aufmerksamkeit des unter dem Namen ARTVR auftretenden Künstlers ein, die vom 6. März bis zum 19. April zu sehen sein wird. Die Ausstellung bietet eine konzentrierte, stille Untersuchung der menschlichen Aufmerksamkeit im Strom des Alltags und basiert auf einem dokumentarischen fotografischen Ansatz, der bewusst auf Spektakuläres verzichtet.
Die Serie hält bei zerbrechlichen, flüchtigen Augenblicken inne – Momenten, in denen der Blick ohne Absicht, kurz, aber ausdrucksstark auftaucht. Der Blick ist hier kein Objekt, sondern eine Kraft: eine unsichtbare Achse, eine Spannungslinie, um die sich Bedeutung bildet. Jedes Foto fängt die feine Geometrie der Gegenwart ein und kartografiert die Beziehungen zwischen Menschen und den Räumen, die sie in diesem Moment bewohnen.
Die Bilder fungieren gleichzeitig als Dokument und Metapher. Sie sind Spuren der Gegenwart, kurze Begegnungen zwischen dem Fotografen und dem Fotografierten, zwischen Fremden. Sie deuten Geschichten an, ohne sie zu Ende zu erzählen – sie lassen Raum für Mehrdeutigkeit, Stille und die eigene Projektion des Betrachters. Es handelt sich nicht um eine Sammlung von Porträts, sondern um eine Kartografie der Aufmerksamkeit, die eher durch die Gegenwart als durch den Ort geprägt ist und durch präzise Blickwinkel aktiviert wird.
ARTVR wurde 1989 in Paris in eine Künstlerfamilie geboren. Seit seiner Kindheit wuchs er umgeben von Kameras auf, die seine Wahrnehmung der Welt grundlegend prägten, noch bevor er sie als Werkzeuge zu verstehen begann. Seine Kindheit in Südamerika hinterließ in ihm ein bleibendes Gefühl der Bikulturalität und Bewegung. Später lebte und arbeitete er zwischen der Bretagne, Paris und Spanien, wo er lernte, in wechselnden Landschaften, Sprachen und Rhythmen des Alltags zu existieren.
Die ständige Bewegung wurde zum Grundprinzip seines Schaffens. Der Autor sieht sich selbst als ewigen Außenseiter – eher still beobachtend als sprechend. Eine wesentliche Rolle in seiner Entwicklung spielten die Straßenkultur, Skateboarding und Graffiti, durch die er seine ersten Lektionen in Präsenz, Freiheit und Zugehörigkeit lernte.
Nach Erfahrungen aus seiner Arbeit in verschiedenen Ländern und Bereichen (Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien) widmete er sich ganz der Fotografie und dem Reisen. Zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt er ein nomadisches Leben, in dem Familie, Arbeit und Schaffen in einem Rhythmus miteinander verschmelzen.
Seit 2023 wurden seine Arbeiten in Spanien, Frankreich und Italien ausgestellt, unter anderem im Palazzo Albrizzi Capello auf der Internationalen Kunstmesse in Venedig (2025), im Le Présidial in Quimperlé und nun auch in der Galerie 4 in Cheb. Seine aktuellen Dokumentararbeiten sind tief mit Bewegung, Reisen und Begegnungen verbunden – nicht als Spektakel, sondern als Voraussetzung für Aufmerksamkeit.

