Von Nilpferden, Schlangenfressenden Hirschen und abergläubischen Töpfern – Die römischen Töpfereien von Straubing/Sorviodurum
Dr. des. Georg Greven M.A., Leitung des archäologischen Fundarchivs an den Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg
Archäologische Ausgrabungen befördern nicht nur goldene Schätze, sondern auch massenhaft Scherben ans Tageslicht. Diese zunächst scheinbar unspektakulären Bruchstücke aus der Vergangenheit gewähren interessante Einblicke in antike Lebensrealitäten.
Im Rahmen eines von der Deutschen Limeskommission geförderten Dissertationsprojekts an der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigte sich Dr. des. Georg Greven mit den römischen Töpfereien in Straubing. Er untersuchte dabei neben materiell Greifbarem, wie Töpferöfen, Tonaufbereitungsanlagen und den getöpferten Waren auch die immateriellen Glaubensvorstellungen der Töpfer.
Aufwändig verzierte und von großer Handwerkskunst zeugende dekorierte Jagdbecher aus dem Gäubodenmuseum zeigen, dass in Straubing hochwertige Gefäße hergestellt wurden – ein überraschendes Ergebnis für eine Grenzregion. Die darauf abgebildeten Jagdszenen und mythologischen Darstellungen wurden freihändig aufgespritzt, ähnlich der Technik von Spritzgebäck. Diese Qualität unterstreicht die Bedeutung des antiken Straubings.
Daneben gestatten Zauberpuppen – tönerne Figuren, die im Rahmen von Ritualen hergestellt und in die Nadeln eingestochen wurden – seltene Einblicke in den antiken Aberglauben und die spirituelle Welt der Töpfer.
Die Keramikfunde offenbaren dadurch nicht nur wirtschaftliche und handwerkliche Aspekte, sondern auch kulturelle und spirituelle Dimensionen, die einen einzigartigen Einblick in das Leben und Denken der Menschen in einer Grenzregion des Römischen Reiches geben.

