Ulrich Schmidls Reisebuch über die La Plata-Region und seine Bedeutung

Referent: Dr. Franz Obermeier, Universität Kiel
Wie kam es dazu, dass ein Straubinger in der Mitte des 16. Jahrhunderts einen Bericht über seinen langjährigen Aufenthalt im La-Plata-Gebiet schrieb und damit eine historische Quelle ersten Ranges über eine damals erst langsam von den Spaniern eroberte Gegend in Südamerika? Sein erstmals 1567 wohl ohne sein Wissen publizierter Bericht, entstanden als Manuskript um 1554, ist einer der frühen Augenzeugenberichte über die Conquista, die Eroberung des Territoriums für die spanische Herrschaft, und als eines der wenigen Dokumente der Zeit nicht aus der Perspektive der spanischen Eroberer geschrieben. Schmidls Buch ist zwar in weiten Teilen ein unpersönliches historische Manual, er bringt auch keine prinzipiellen kolonialkritischen oder indianerfreundlichen Bemerkungen, ist aber dennoch für einen Autor der Zeit durchaus kritisch gegenüber ungerechtfertigten Auswüchsen der Conquista eingestellt und liefert uns als einer der wenigen Autoren ein farbiges Bild des entbehrungsreichen Lebens in den Kolonien. Sein Buch wurde auch durch zahlreiche Neuauflagen und Übersetzungen eines der verbreitetsten Werke über die frühe Entdeckungszeit. Der Vortrag versucht, die bleibende Bedeutung des Werks zur Zeit seiner Abfassung und für heute darzulegen.
