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Veröffentlicht am 04. Juli 2019 CeBB

Klingendes Ausrufezeichen

Das "Sedláček Quartett" konzertierte am 30.06.2019 zum Abschluss des Internationalen Künstlersymposiums in Vilseck.

Einen musikalischen Schlusspunkt des Internationalen Künstlersymposiums in Vilseck sollte das “Sedláček Quartett” setzen. Das Streicher-Quartett aus Pilsen, das an vielen Orten der Welt aufgetreten ist uns mit internationalen Musikpreisen ausgezeichnet wurde, setzte allerdings ein Ausrufezeichen mit seinem verbindenden Element der traditionellen Kunst zwischen Bayern und Böhmen seit dem Barock.

Michal Sedláček (Geige) geht in der Musik, die er interpretiert, völlig auf. Dabei stehen ihm seine Mitspieler Jan Maceček (Geige), Tomáš Krejbich (Viola) und Matěj Štěpánek (Violoncello) weder in Intensität noch in der Klangschönheit nach. Dieser Gefühlsreichtum zeichnet das Spiel der vier tschechischen Musiker aus, die mit beseelter (böhmischer) Wärme und schönstem Piano die Zuhörer ergreifen. An den Beginn des Programms, vorwiegend aus der Barockzeit, haben die Musiker den österreichischen Komponisten Johann Joseph Fux (1960-1741) gestellt. Das Quartett intonierte seine umfassende Suite in g-Moll getragen, ausdrucksintensiv gestaltend. Barocktypisch spielte das Cello im Generalbass die Grundstimmung vorwiegender Natureindrücke, die sehr bewegt und von flirrend, vogelleicht bis schwer flimmernd variierten.

Mit noch größerer Leichtigkeit komponierte Antonio Vivaldi (1678-1741) im Violinkonzert E-Dur den Frühling. Im bekannten Thema des ersten Satzes wird das Zwitschern von Vögeln naturgetreu dargestellt. Rauschendes Wasser und Winde vor dem losbrechenden Gewitter meint man zu vernehmen. 

Der Sommer wird musikalisch im zweiten Violinkonzert in g-Moll gemalt. Matte, schleppende Akkorde des Themas sind angesichts der außen herrschenden extremen Hitze nachvollziehbar. Sie bauen eine Spannung auf, die sich urplötzlich in einem virtuosen Solo entlädt. Die liegende Harmonik verdeutlicht das endlose Warten der Natur auf etwas Kühlung, während ein Kuckuck zu hören ist. Einen auffälligen Kontrast boten die Musiker mit Joseph Haydn (1732-1809). “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” sind eine Passionsmusik, die auf Worte ganz verzichtet, obwohl sie die überlieferten Sterbeworte Jesu von Wut, Schmerz und Trauer in Töne setzt.

Das Quartett interpretierte die von Haydn selbst arrangierte Fassung für vier Streicher als ein bewegendes Zeugnis der Trauer, brachte aber auch die Hoffnung lebendig zum Klingen. Zwei tschechische Komponisten vervollständigten das Konzertprogramm des “Barocks in Bayern und Böhmen”. Von Frantisek Adam Jan Micas (1746 bis 1811) präsentierten die Musiker sein Streichquartett in G-Dur mit dem eingängigen fröhlichen Thema besonders frisch, sommerlich leicht, pfiffig, tänzelnd und mit Spielfreude.

Zum Abschluss erfreuten die Künstler mit dem zeitgenössischen Komponisten Lukáš Sommer. Er hat das Streichquartett Nr. 2 für seinen Freund Michal Sedláček, den Leiter des Quartetts, geschrieben. Die Streicher nutzten die Möglichkeit, die volle Bandbreite ihres gestalterisch reichen und technisch versierten Könnens zu entfalten. Mit böhmisch-musikalischem Charme und jugendlichem Temperament versprühten sie Spielwitz. Dabei setzten sie Dämpfer ein, führten den Geigenbogen nahe am Steg und das Ganze von Pianissimo bis Fortissimo und überraschten mit effektvollen musikalischen Lauten.

Quelle: Heiner Brückner, Der neue Tag, 04.07.2019

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