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Veröffentlicht am 16. September 2019 CeBB

Kunst braucht die Freiheit

2+

Vor 30 Jahren fällt der Eiserne Vorhang. "Endlich frei sein" – um diese Thematik drehen sich die Werke der Ausstellung "Farbe auf der Straße", die wieder an der CeBB-Fassade zu sehen ist. Vielfach haben eigene Erlebnisse den Pinsel geführt.

Bereits zum zwölften Mal eröffnet sich Betrachtern bei “Farbe auf der Straße” Kunstgenuss im Vorbeigehen. Bis Ende Oktober sind die Außenfassaden des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) wieder ein buntes Schaufenster. An dieser Kunstaktion der Union der Bildenden Künstler Pilsen, gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und vom Landkreis Schwandorf, beteiligen sich zwölf tschechische und sechs deutsche Kunstschaffende. “Frei (1989 bis 2019)” ist heuer das Thema der Gemälde, mit denen sich die Bruchsteinwände des CeBB an Nord-, West- und Südseite in eine Open-Air-Galerie verwandeln. Im Sommer hatten sie die Stadtmauer in Pilsen geschmückt.

Zur Vernissage hieß CeBB-Leiterin Veronika Hofinger zahlreiche Ehrengäste willkommen, darunter Partner von beiden Seiten der Grenze. Kuratorin Květa Monhartová, selbst viele Jahre Mitglied der Künstler-Union, machte in ihrer Einführung deutlich, dass die Bilder einer Ausstellung immer um die Gunst des Publikums kämpfen. Es sei heuer naheliegend gewesen, sich im Jahr 30 nach Samtener Revolution und Fall des Eisernen Vorhangs, der Entfaltung der Kunst in Freiheit zu widmen. “Die gezeigten Werke sprechen unsere Herzen an und verarbeiten die Gefühle, endlich frei zu sein, von tschechischer und deutscher Sicht auf ganz unterschiedliche Weise.”

Beim Rundgang und dem von drei Saxofonistinnen aus Oberviechtach begleiteten Abend, bot sich den Gästen viel Gelegenheit, im Gespräch mit den anwesenden Künstlern Ingeborg Posorski, Axel T Schmidt (beide Weiden), Jiří Degl, Jana Frolíkiová, Jana Vacková und Helena Vendová (alle Pilsen) die Eindrücke zu vertiefen.

Auch im zweiten Teil des Abends drehte es sich um Kunst, allerdings mit dem völlig anderen Betrachtungswinkel “mit (un-)menschlichem Antlitz?! 1938 – 1989”. Warum beim Thema Frage- und Ausrufezeichen nebeneinander stehen, beantwortete der frühere Diplomat und jetzt in Diensten des tschechischen Kulturministeriums stehende Autor Jan Šicha in seiner Lesung “Von Heydrich bis Havel: Kunst in der Zeit des Totalitarismus“. Für ihn als Autor und für viele Leser sei es ein Buch mit Aha-Effekt geworden. So gibt Šicha die Antwort darauf, warum Menschen in der Ära der kommunistischen Diktatur oder auch zu Zeiten der Nazi-Herrschaft, durch ihr Verhalten das Bild einer einheitlichen Gesellschaft prägten, welche die Regierung bedingungslos unterstützt: Die Menschen seien von Angst getrieben gewesen, dies habe zu angepasstem Verhalten jenseits des Verstands geführt.

Die auf Tschechisch von Jan Šicha vorgetragenen Passagen wiederholte CeBB-Mitarbeiter David Vereš aus der in deutscher Sprache erschienenen Ausgabe. Zu den Kapiteln wurden Kunstwerke, Fotografien und Skulpturen auf die Leinwand projiziert. Den Schlusspunkt bildeten dokumentarische Fotos, die den Zeitgenossen des Prager Frühlings 1968 und der Samtenen Revolution 1989 noch in lebendiger Erinnerung sind. Eines davon zeigte Václav Havel 1989 auf dem Prager Wenzelsplatz, der mit ausgestrecktem Zeigefinger den Weg Richtung Freiheit und in eine demokratische Zukunft weist. 

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