Barocker Klangzauber in der Stadlerner Wallfahrtskirche
Abschlusskonzert des Projektorchesters „BBB 2018“ der Barockregion Bayern – Böhmen.
„Was gibt es schöneres für ein Ensemble, als mit stehendem Applaus verabschiedet zu werden“ sagte Bürgermeister Gerald Reiter bei seinen Dankesworten in Richtung Dirigent Prof. Josef Blank und dem Ensemble, dem Projektorchester der Barockregion Bayern Böhmen, kurz „BBB 2018“. Vorausgegangen waren eineinhalb Stunden musikalischer Hochgenuss in der Wallfahrtskirche Stadlern, die den Klängen der Instrumente, wie in besten Konzertsälen, einen akustisch hervorragenden Entfaltungsraum bot.
Der Konzerttermin hatte mit der Übertragung des WM-Finales starke Konkurrenz. Ein paar Lücken in den Bankreihen waren deshalb nicht verwunderlich. Die rund 60 Besucher, die am vergangenen Sonntagabend musikalische Prioritäten setzten, bereuten die Entscheidung nicht. Wie der anhaltende Beifall zeigte, erwies sich die Musik aus der Barockzeit für die Gäste aus der näheren und weiteren Region als Entdeckungsreise in eine Zeit, die für die meisten nur mit großartigen Bauwerken in Verbindung gebracht wird. Dass die etwa zweihundertjährige Epoche des Barock (1575 bis 1780) nicht nur für die Architektur, sondern auch für die Musik eine Zeit des Aufbruchs, der Entfaltung und der leidenschaftlichen Bewegtheit war, zeigte sich in den Kompositionen von Johann Anton Reichenauer, auch „böhmischer Vivaldi“ genannt, im ersten Teil des Konzertabends.
Prof. Josef Blank, gebürtiger Oberpfälzer aus Bodenwöhr, der jetzt an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz am Institut für Holzblasinstrumente das Fach Oboe lehrt, erläuterte am Beginn, wie er an die ihm vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) gestellte Aufgabe heranging, ein grenzüberschreitendes Ensemble zusammenzustellen und eine Musikauswahl für die vier Projektkonzerte mit Bezug zur Barockregion Bayern Böhmen zu treffen. Bei seiner Recherche entdeckte er den böhmischen Komponisten Johann Anton Reichenauer, dessen musikalisches Schaffen stark vom italienischen Komponisten Antonio Vivaldi beeinflusst war. Von Reichenauer sind eine Reihe von Konzerten für Violine, Oboe, Fagott, Cello, Orchester-Ouvertüren und Triosonaten überliefert. Diese lange Zeit vergessenen, inzwischen wieder öfter gespielten Komponisten der Öffentlichkeit vorzustellen, gelang Prof. Josef Blank und seinem 21-köpfigen Ensemble aus jungen Studentinnen und Studenten der Musik aus mittel- und osteuropäischen Ländern mit Bravour und Brillanz. In vier Tagen intensiver Probenarbeit im Juni formte der renommierte Oboist ein Orchester, das die Barockmusik aus ihrem musikalischen Schatten führte. Genau das war das Ziel, das das CeBB mit der Bildung des Projektorchesters BBB 2018 verband. Dank der Finanzierung aus EU-Ziel ETZ-Mitteln war es möglich, das Ensemble aus äußerst sympathischen jungen Musikerinnen und Musikern zu bilden und auf die Konzertreise nach Mariánská Týnice (Maria Teinitz) und Tachov (Tachau) in der Region Pilsen, nach Osterhofen in Niederbayern und zum Abschlusskonzert nach Stadlern zu schicken.
Höhepunkte des Konzertprogramms waren die Soloparts von Hrvoja Hrešæ, Cello und Vojtěch Pospíšil, Oboe. Beide sind große Talente, die schon zahlreiche Preise gewannen, Einladungen zu internationalen Festivals erhielten und am Beginn ihrer Karriere stehen. Bemerkenswert auch Lida Limmer am Kontrabass aus Passau, die trotz ihrer jungen sechzehn Jahre sehr souverän mit dem größten Streichinstrument umging und als Jungstudentin an der Linzer Bruckner Universität eingeschrieben ist. Wer dachte, Barockmusik sei eintönig und vor allem vom Cembalo mit seinem hochtönigen zupfenden Klang geprägt, der machte beim Konzert eine ganz andere Erfahrung: Dynamische Passagen mit opulenter Klangfülle, auch mit Pauken und Trompeten, wechselten sich ab mit Sätzen, bei denen Violine, Cello, Kontrabass, Oboe und Fagott im Wechsel und miteinander den Ton angaben. Mit der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach im zweiten Teil des Konzerts folgte dem unbekannten böhmischen der berühmte deutsche Barockkomponist Johann Sebastian Bach, der mit seinen Werken Musikgeschichte schrieb.
Dr. Veronika Hofinger, Leiterin des CeBB und Sophia Grau von der Pfarrgemeinde eröffneten mit begrüßenden Worten den Abend. Veronika Hofinger stellte das Konzert in den Zusammenhang des dreijährigen grenzüberschreitenden Projekts Barockregion Bayern Böhmen und hob dankend CeBB-Mitarbeiter Sebastian Lesňák hervor, der sich engagiert um die Organisation kümmerte. Sophia Grau gab einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskirche mit gotischem Kreuzrippengewölbe aus der Anfangszeit und dem später gebauten Kirchenschiff mit der Innenausstattung aus der Barockzeit. Beide dankten schon vorab für die Spenden, die zu gleichen Teilen an die Kirchengemeinde zum Unterhalt und an Bavaria Bohemia e.V. gehen.






