Junge Menschen aud Deutschland und Tschechien spielen Theater online
Am Abend des 31.05. hatte das Publikum auf deutscher wie tschechischer Seite der Grenze Gelegenheit, einer ungewöhnlichen Theateraufführung online beizuwohnen. Es handelte sich um die Abschlusspräsentation des deutsch-tschechischen Theaterprojekts Čojč 2084: Humán Radikál
Im Rahmen dieses Projekts und unter der Leitung von Valentina Eimer und Karel Hájek gingen jeweils 6 junge Leute aus Deutschland und Tschechien gemeinsam dem Thema Radikalisierung der Gesellschaft und deren Zuspitzung zu Zeiten der Pandemiekrise auf den Grund. Die jungen Leute trafen sich 14 Tage lang online per Zoom, wo sie sich kennenlernten, forschten, sich mit Experten sowie einem Psychologen zum Thema austauschten und diese Erkenntnisse gemeinsam in Szenen einer Online-Performance umwandelten, die sie schließlich der Öffentlichkeit präsentierten.
Die Vorstellung fand auf der Plattform gather.town statt, die in ihrer Gestaltung an ein Computerspiel erinnert. Beim Zuschalten stellten sich die Zuschauer jeweils einen eigenen Avatar zusammen, mit dem sich jede und jeder in der geschaffenen Welt bewegte. Hier kam es durch die audiovisuelle Übertragung zur direkten Interaktion mit den jungen Akteuren des Projekts, die das Publikum in den Rollen unterschiedlicher, sich im Prozess der Radikalisierung befindlicher Figuren mit ihren Geschichten begleiteten. Interaktivität und Wahlmöglichkeiten bereiteten den Zuschauern ein individuelles persönliches Erlebnis. Dessen Höhepunkt war es, als die Akteure schließlich ihre Rollen ablegten und gemeinsam mit dem Publikum auf dem “großen Sammelplatz” der Online-Welt und Schauplatz der Vorstellung an einer Soziometrie mit thematischen Fragen teilnahmen. Einige Zuschauer und Zuschauerinnen beteiligten sich auch an der sich anschließenden Diskussion.
Ein Teil der Fragen, Quellen und Informationen zum Thema Radikalisierung ist auch im öffentlichen Kanal des sozialen Netzwerks Telegram t.me/cojcradikal zu finden, das im Rahmen des Projekts entstanden ist, und über das die internationale Gruppe die gesamte Dauer des Projekts abgesehen von den Treffen per Zoom in Kontakt war. Das ganze Projekt mit dieser überaus aktuellen und kontroversen Thematik war ein einziges großes Experiment, wie Grenzen mittels einer Online-Welt überwunden werden und junge Menschen gemeinsam etwas schaffen und selbstbewusst vor Publikum aufführen können. Den Äußerungen der Zuschauer wie auch der jungen Teilnehmer nach ist dieses Experiment äußerst gelungen, denn es zeigte neue Möglichkeiten auf, und zwar nicht nur für die Zeit der Pandemie.
Das deutsch-tschechische Kulturnetzwerk Čojč setzt sich zum Ziel, den Blick der jungen Generation auf die Themen des Grenzgebiets zu lenken. Die Jugend interpretiert ihre Ansichten dann mittels Theateraufführungen und Vorstellungen, die dem Publikum auf beiden Seiten verständlich sind, wie etwa auch die beschriebene Online-Performance. Čojč spielt mit Kommunikation, mit dem grenzübergreifenden Dialog, Ähnlichkeiten und Unterschieden – und nutzt dafür den szenischen Ausdruck, nonverbale Kommunikation und seine eigene Sprache, eine Mischung aus Tschechisch und Deutsch, wie auch schon der Name des Netzwerks andeutet: Čojč (sprich: Tscheutsch) = tschechisch und deutsch zusammen – společně. Das Kulturnetzwerk plant auch andere Projekte für Jugendliche, junge Erwachsene und pädagogische Mitarbeiter. Mehr darüber sowie weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.cojc.eu.
Das Projekt Čojč 2084: Humán Radikál wurde realisiert mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds sowie aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes über das Koordinationszentrum für deutsch-tschechischen Jugendaustausch Tandem und den Bayerischen Jugendring als gemeinsames Projekt cojc gGmbH und A BASTA! z.s.

