35 Jahre Schengen
Mit dem Schengener Abkommen begannen in Europa die Grenzen zu fallen. Unterzeichnet wurde das historische Dokument im Juni 1985 auf einem Moseldampfer, der lange als verschollen galt - bis das Schiff plötzlich auf der Donau wieder auftauchte. Die "MS Regensburg" verdient jetzt als Ausflugsdampfer zwischen der weltberühmten Steinernen Brücke in Regensburg und der Walhalla, dem "Ruhmentempel der Teutschen" ihr Gnadenbrot.
Das Schengener Abkommen ist ein Meilenstein der europäischen Geschichte: Mit dem Dokument begann vor 35 Jahren die Öffnung der Staatsgrenzen auf dem Kontinent. Heute genießen bereits mehr als 400 Millionen Europäer in mittlerweile 26 “Schengen-Staaten” nahezu uneingeschränkte Reisefreiheit ohne Pass und Schlagbaum. Die Grenzschließungen während der Corona-Pandemie haben die Bedeutung dieser Übereinkunft in den vergangenen Monaten wieder neu ins Bewusstsein vieler Europäer gerückt. Unterzeichnet wurde das historische Dokument für ein Europa ohne Grenzen auf einem unscheinbaren Personenschiff auf der Mosel im luxemburgischen Schengen. Nach dem der geschichtsträchtige Dampfer mehrfach verkauft und lange Zeit in Vergessenheit geraten war, entdeckte plötzlich ein Regensburger Schifffahrtsunternehmen das Schiff in seiner Flotte. Jetzt können Ausflügler auf der Donau bei Rundfahrten auf der “MS Regensburg” einen Hauch großer Geschichte spüren.
Die im Schengener Abkommen gesicherte europaweite Reisefreiheit ist einer der größten und spürbarsten Erfolge der europäischen Einigung. Doch anfangs war das Gelingen des “Schengen-Projekts” alles andere als sicher. Ohne großen Pomp unterzeichneten daher Vertreter Deutschlands, Frankreichs, der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs das Abkommen an einem unscheinbaren aber symbolträchtigen Ort: Auf dem damals nagelneuen luxemburgischen Mosel-Dampfer “Princesse Marie-Astrid” im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg.
Nach der kurzen Zeremonie geriet das “Schengen-Schiff” schnell wieder in Vergessenheit. Ab Anfang der 90er Jahre drehte der Dampfer dann unter dem neuen Namen “Sankt Nikolaus” auf dem Rhein seine Runden, bis er schließlich 2003 von dem Regensburger Schifffahrtsunternehmen Klinger als “MS Regensburg” auf die Donau geholt wurde.
Auf dem gut 40 Meter langen und mehr als sieben Meter breiten Ausflugsschiff erinnern mittlerweile eine Gedenktafel und eines der wenigen Bilder von der Unterzeichnung des Schengener Abkommens an den historischen Ort.
Auf der Donau bei Regensburg hat das “Schengen-Schiff” als Symbol der europäischen Einigung eine würdige Heimat im neuen Zentrum des Kontinents gefunden. Heute bringt der Ausflugsdampfer jährlich tausende Gäste aus aller Welt regelmäßig zu anderen geschichtsträchtigen Orten: zum Beispiel zur Walhalla, dem “Ruhmestempel der Teutschen” von Bayern-König Ludwig I.

