Ota Filip gestorben
Am Freitag, 02.03.2018 verstarb der führende tschechische Exil-Schriftsteller Ota Filip.
Er war eine herausragende Persönlichkeit, und doch hatte Ota Filip einen Lebenslauf, wie er für Intellektuelle des 20. Jahrhunderts in Mittel- und Osteuropa typisch war: Arbeit als Journalist, Eintritt in die kommunistische Partei der Tschechoslowakei, Parteiausschluss wegen aufmüpfiger Ansichten, Hilfsarbeiter, Untergrundschriftstellerei, kurze Rückkehr an die Oberfläche im Prager Frühling – und dann eine Gefängnisstrafe, weil er “systematisch eine der Gesellschafts- und Staatsordung der ČSSR feindliche Tätigkeit entfaltet” habe.
1974 emigrierte er in die Bundesrepublik Deutschland. Dort konnte er seine schriftstellerische und publizistische Tätigkeit frei entfalten, unter anderem als Autor vieler Beiträge für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In einem der ersten davon gestand Filip, dass er “kein Held” sei, “zu Kompromissen bereit gewesen wäre und auch war” und “nicht die Sehnsucht danach habe, einen Märtyrer zu spielen”.
Wie weit diese Kompromisse gingen, darüber gab es eine Kontroverse nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die Aussöhnung der Menschen in seiner Heimat und seiner Wahlheimat war Filip, am 9. März 1930 in Mährisch-Ostrau geboren, ein Anliegen, dem er besonders in den neunziger Jahren viele Veröffentlichungen widmete. Dass er die Wahlsprache so liebte wie die Muttersprache, zeigt sich in seiner Unterstützung, als die Frankfurter Allgemeine gegen Auswüchse der Rechtschreibreform in Wort und Tat protestierte.
Am vergangenen Freitag, wenige Tage vor Vollendung seines 88. Lebensjahrs, ist Ota Filip gestorben.
Quelle: Frankfurter Allgemeine (löw.)

