Mit dem Rad auf der Eiserner-Vorhang-Route
Dieser Ausflugstipp führt Sie an beinahe menschenleere Orte, wo noch vor einem Vierteljahrhundert aus Maschinenpistolen auf Sie geschossen worden wäre und wo die Ruinen Dutzender untergegangener Dörfer zu finden sind. Der Radweg Eiserner Vorhang führt durch außerordentlich märchenhafte Gebiete.
Der Radweg Eiserner Vorhang ist Teil des Fahrradwegnetzes EuroVelo, der nach Fertigstellung den Verlauf des Eisernen Vorhangs aus der Zeit des Kalten Krieges nachzeichnen wird. Die gesamte Route wird etwa 7000 km lang sein und von der Barentssee (Russland – Norwegen) bis zum Schwarzen Meer (Bulgarien – Türkei) führen und auf ihrem Weg 20 Staaten passieren. Tschechien berührt die Grenzroute auf einer Länge von etwa 500 km und knüpft dabei auch an die Grenzregionen Deutschlands und Österreichs an.
Die Route führt durch den Český les, das Mittelgebirge nahe Domažlice, dessen überwiegend bewaldete Landschaft durch ein Mosaik aus Weiden, Lichtungen und überwucherten Brachen ergänzt wird. Hier werden Dutzende verfallener Dörfer und einige verlassene Militärbasen passiert, deren Ruinen sich die Natur langsam wieder zurückerobert. Daraus ergibt sich die einmalige Atmosphäre des Český les.
Der Start ist im Dorf Pleš/Plöß, das buchstäblich an der Grenze zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland lag und zu den einwohnerstärksten Dörfern des Český les zählte. Bis heute ist praktisch nur der deutsche Teil erhalten geblieben. Auf der böhmischen Seite hat die gewaltsame Umsiedlung nur ein Gebäude überdauert, das heute als Gastwirtschaft dient.
Über dem Dorf erhebt sich der Berg Velký Zvon (Plattenberg), auf dessen Gipfel ein militärischer Überwachungsturm steht. Irgendwo dort müssen sich auch die Überreste einer Burg oder Festung befinden, wenigstens laut Angabe der Chronik der Böhmen. Auf dem Weg nach Rybník kommen Sie durch eine der zahlreichen untergegangenen Siedlungen. Diese heißt Václav und interessant ist hier, dass zu den Ruinen des heute nicht mehr existierenden Dorfes auch die Ruinen einer ehemaligen Kompanie der Grenztruppen hinzukommen, so dass ein doppelt trostloser Eindruck entsteht. Rybník hingegen ist höchst lebendig. Man kann es als touristisches Zentrum des Český les bezeichnen. FlussliebhaberInnen können hier die Quelle der Radbuza besuchen. Sie liegt zwar nicht direkt an der Route, der Umweg beträgt aber nur drei Kilometer.
Lučina ist eine weitere untergegangene Ortschaft, von der mehr oder weniger nur die Ruine der Kirche St. Georg übriggeblieben ist. Diese wurde jedoch 2011 von der Fachwelt entdeckt und würdig hergerichtet, so dass man die Kirche heute wieder besuchen kann und sich das Presbyterium, die Sakristei und die Überreste des Kirchturms, wo sich auch der Grundstein mit der Jahreszahl 1775 befindet, ansehen kann. Im Jahr 2012 wurden die Überreste der Kirche geweiht und Lučina wurde zu einem attraktiven Wallfahrtsort. Hinter Lučina geht es weiter auf die deutsche Seite, wo weitere 6 Kilometer in Bayern zurückgelegt werden.
Wieder in Tschechien ist direkt am Grenzübergang der Ort Lísková erreicht. Hier beginnt der anspruchvollste Teil der Tour, die Bergetappe auf den Čerchov (Schwarzkopf). Auf einer Länge von sieben Kilometern sind über 400 Höhenmeter zu überwinden, und die Strecke führt überdies mehrfach bergauf und bergab, so dass es bestimmt noch viel mehr Höhenmeter sind. Der letzte Abschnitt ist wirklich nur für die Trainiertesten geeignet.
Der höchste Berg des Český les erhebt sich auf 1042 m über dem Meeresspiegel und ist damit der höhere von zwei Eintausendern in dieserm Mittelgebirge. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts steht hier der 25 Meter hohe steinerne Aussichtsturm namens “Kurz-Turm”. Während des kalten Krieges kamen zwei Kompaniegebäude der Grenztruppen und noch ein Überwachungsturm hinzu, der für die Beobachtung des Feindes bestimmt war. Dieser atemberaubende mehr als zehnstöckige Gigant ist heute leider nicht mehr zugänglich. Das Gelände wartet noch immer auf eine Restaurierung. Die Abfahrt vom Čerchov nach Folmava ist dann ein kleiner Nachtisch nach der angenehmen Ausfahrt.
Radweg Eiserner Vorhang
- Streckenlänge: 40 km
- Fahrtzeit: 4 Stunden
- höchster Punkt: 1040 m
- Schwierigkeitsgrad: 2-3 (Anstieg auf den Čerchov 5)
- Übernachtungsmöglichkeit: Rybník, Pleš
- Einkehrmöglichkeit: Rybník, Čerchov, Pleš
- empfohlene Räder: Mountain-Bike, Trekking
- Wege: Asphalt, Schotter
Quelle: http://cestovani.idnes.cz








