Maxmilián Pirner: Feuer und Licht, 1894
Die Pastell-Studie von Maxmilián Pirner (1854–1924) aus der Sammlung von GAVU Eger ist zu einem Anreiz zur Erforschung gewesen, der zu dieser intimen Ausstellung führte. Pirner war Mitglied der Generation des Nationalmuseums, in seinem Gemäldewerk kündigt er aber schon Symbolismus an, der völlig erst in der Zeit seiner Schüller an der Prager Akademie blühte. Er war auch Gründungsmitglied des Vereins Wiener Secession. Die Vereinszeitschrift Ver sacrum widmete ihm im 1899 ein umfangreiches Medaillon mit einer Reihe von Reproduktionen, darunter das Triptychon Feuer und Licht, hier datiert 1894.
Das seitliche Gemäldepaar basiert auf dem vom Künstler bevorzugten Prinzip der Gegensätzlichkeit von Bedeutungen, oft in Form einer Analogie zwischen antiken und christlichen Mythen. Auf dem ersten Bild ist Herakles dargestellt, der den gefesselten Prometheus befreit, auf dem zweiten stellt er die Szene vor der Abnahme des Leichnams Christi vom Kreuz dar. Dieses Bild, zu dem die Unterlage eine Egerer Studie war, ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Zum Titel des Triptychons beziehen sich die Bilder so, dass das erste aufs Feuer hinweist, das Prometheus von den Göttern gestohlen und den Menschen gebracht hat; und das zweite aufs Licht, als eine Metapher der Hoffnung aufs Ewigleben, die Christus der Menschheit schenkte.
Wenn die Eroberung des Feuers der mythische Beginn der materiellen Evolution der Menschheit war, so steht der Tod Jesu am Kreuz analog dazu am Anfang der spirituellen Evolution. Die Bedeutung des zentralen Bildes des Triptychons mit dem Motiv eines weiblichen Dreigestirns ist weit weniger klar und den Attributen nach zu urteilen, stellte der Autor hier wahrscheinlich die dreifaltige Mondgöttin Hekate dar. Die Idee des Triptychons wurde jedoch bald vom Künstler aufgegeben, der noch im selben Jahr, 1899, das rechte Gemälde separat unter dem Titel Nach der Kreuzigung ausstellte. Die ursprüngliche Version des linken Gemäldes ist heute verloren, aber eine späte Replik, ausgeführt in Tempera auf Papier und datiert 1917, ist erhalten.
Vernissage 05.07.2023 um 17:00 Uhr.,

